Talbrücke Wilde Gera bei Gehlberg

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Kategorie Straßen- und Eisenbahnbrücken
Talbrücke Wilde Gera, Bundesautobahn A 71 bei Gehlberg
Bauwerksentwurf: Dr. sc. techn. Roland von Wölfel

Funktion, Konstruktion und Gestaltung

Der Bau der A71 erforderte eine ca. 110 m  hohe Trassenführung über das tief eingekerbte Tal der Wilden Gera. Dabei bildeten eine Bahnlinie, eine Straße, der Flußverlauf und eine Deponie im Talgrund die Zwangspunkte. Ausgeschrieben war eine Balkenbrücke, ein  Sondervorschlag mit dem überzeugenden Entwurf einer Bogenbrücke setzte sich jedoch durch.

Realisiert wurde ein gestalterisch außerordentlich eleganter, unten liegender Bogen von ca. 252 m Spannweite – die zur Zeit größte Betonbogenbrücke in Deutschland. Diese Spannweite mit einem Bogenstich von 70 m ergab sich aus den topografischen Verhältnissen und dem Wunsch, das Tal möglichst stützenfrei zu überqueren. Der Bogen setzt nahezu senkrecht auf den Talflanken auf.

Durch die elegante Linie des Bogens mit seiner wohl proportionierten Verjüngung überzeugte dieser Entwurf die Juroren.

Planungs- und Bauverfahren, Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit

Durch den Bogen des Sonderentwurfs war es möglich, die Gründungsprobleme, die sich durch Zwischenpfeiler im Bereich der Deponie ergeben hätten, zu umgehen. Dadurch konnten die Baukosten erhebliche reduziert werden. Die Herstellung des Bogens erfolgte außerdem im Freivorbau, um die Tallandschaft zu schonen.

Der einteilige Stahlverbundüberbau – im  Taktschiebeverfahren eingeschoben – ermöglichte die Zusammenfassung der Unterbauten, die Stützenabstände konnten gleich bleibend gewählt werden, was ein harmonisches Gesamtbild des Bauwerks bewirkt.

Durch die Anwendung eines einteiligen Überbauquerschnittes in Stahlverbundbauweise mit einer jederzeit unter Aufrechterhaltung des Verkehrs teilweise oder insgesamt erneuerbaren Fahrbahnplatte wurde eine wirtschaftliche Bogenvariante möglich. Der Sonderentwurf ergab einen Kostenvorteil von 1 Mio. DM  gegenüber dem Verwaltungsentwurf. Nach dem gelungenen „Pilotprojekt“ der Talbrücke über die Wilde Gera sind inzwischen weitere Stahlverbundbrücken mit einteiligem Querschnitt im Bau.

Innovative Aspekte

Die Brücke beeindruckt durch ihre innovative Kraft und Schönheit. Die Erstellung eines Bogens dieser Dimension im Freivorbau stellt eine ganz besondere Ingenieurleistung dar. Der Bogen besteht aus nur einem Kastenquerschnitt. Innovativ sind zudem der erstmalig ausgeführte einteilige Stahlverbundüberbau sowie die Möglichkeit, die Fahrbahnplatte im Schadensfall verhältnismäßig einfach unter Verkehr auszuwechseln zu können

Ein zweiteiliger Überbau hätte bei der schiefwinkligen Kreuzung des Tales zwei versetzte Bögen erfordert, die aufgrund der Höhe von 110 m über dem Tal keine gestalterisch befriedigende Lösung ergeben.

Die Talbrücke Wilde Gera ist im Endzustand ein äußerst robustes Bauwerk aus einem Stahlbetonbogen und einem steifen Stahlverbundüberbau, das sich als beeindruckend schlanker Bogen sehr gut in die Landschaft einfügt.  Unter den Betonbogenbrücken Europas nahm die Talbrücke Wilde Gera zur Zeit ihrer Herstellung den 5. Platz, in der Welt die 11. Stelle ein.

Fazit:
Deutschlands größte Betonbogenbrücke (Spannweite des Bogens 252 m) überzeugt durch außerordentliche gestalterische Eleganz. Die Errichtung eines Bogens dieser Dimension im Freivorbau stellt eine ganz besondere Ingenieurleistung dar. Der mit der Brücke über die Wilde Gera realisierte Sondervorschlag ergab zudem einen deutlichen Kostenvorteil gegenüber dem Verwaltungsentwurf. Die Brücke ist ein überzeugendes Beispiel dafür, wie Landschaft und Bauwerk sich zu einer neuen Qualität zusammenfügen. Die Dramatik des tiefen Taleinschnitts wird so erst richtig nachvollziehbar.