Preisträger 2018

Die Bleichinselbrücke Heilbronn

 
© Ingolf Pompe / schlaich bergermann partner

Die Bleichinselbrücke als Preisträgerbauwerk in der Kategorie „Straßen- und Eisenbahnbrücken“ überzeugte die Jury mit ihrer Eleganz und der raffinierten Knotenkonstruktion zur Bündelung der Stützen. Sie erhält den deutschen Brückenbaupreis, weil es den Ingenieuren hervorragend gelungen ist, in diesem Bauwerk alle Anforderungen an ein schönes, wartungsarmes und preiswertes Bauwerk in überzeugender Form zu erfüllen. Das flache, breite Fahrbahndeck führt scheinbar schwebend über den Neckar, die unterschiedlich geneigten Stützen schaffen unter der Brücke einen Raum von höchster Aufenthaltsqualität, heißt es im Juryurteil.

Mit 88 m Länge und 24 m Breite überspannt die stark befahrene vierspurige Brücke den Alt-Neckar in Heilbronn und verbindet das Stadtzentrum mit einem im Zuge der Bundesgartenschau 2019 neu entstehenden Wohngebiet. Die mit dieser Stadtentwicklung neu angelegten Aufenthaltsbereiche und Promenaden entlang der Uferzone wurden zu einer wichtigen Randbedingung für die neue Brücke.

Diese entstand als Verbundtragwerk mit sehr flach geneigten V-förmigen Stützen, die in den Uferbereichen gegründet sind und somit keine störenden Pfeilerkonstruktionen im Flusslauf benötigen. Die vier schrägen Stützstreben auf jeder Uferseite sind auf jeweils nur einen Auflagerpunkt geführt, was statisch günstig die horizontalen Auflagerkräfte kurzschließt und insgesamt zu reduzierten Gründungsaufwendungen führte. Trotz des flachen Flussprofils und der enormen Breite des Überbaus wirkt die Brücke leicht und fast schwebend. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die hohe Oberflächenqualität des stählernen Haupttragwerks und der Betonfertigteile, die auch im Nahbereich eine angenehme Wirkung haben.

Die Preisskulptur für die exzellenten Ingenieurleistungen bei Planung und Realisierung dieses Bauwerks erhielt Andreas Keil, Ingenieurbüro sbp schlaich bergermann partner, Stuttgart.

 

Instandsetzung der Schaukelbrücke im Park an der Ilm, Weimar


© Alexander Burzik / Klassik Stiftung Weimar

Die Erhaltung der zu Goethes Zeiten gebauten Schaukelbrücke im Park an der Ilm in Weimar ist laut Jury ein Paradebeispiel des verantwortungsvollen Umgangs mit dem baukulturellen Erbe. Diese Sanierung wird mit dem Deutschen Brückenbaupreis 2018 in der Kategorie „Fuß- und Radwegbrücken“ ausgezeichnet, weil die Ingenieure dabei mutig neue Wege jenseits standardisierter Pfade gewagt haben.

Indem sie das historische Tragwerk in seine Elemente zerlegt, analysiert und experimentell begutachtet haben, gelang es ihnen, das historische Original voll funktionsfähig und schaukelnd erlebbar zu erhalten. „Das Ergebnis ist keine neue Brücke im alten Gewand, sondern das weitgehend erhaltene und für die Zukunft gesicherte Original“, lobt die Jury.

Die 1833 errichtete Kettenbrücke führt im südlichen Teil des Parks an der Ilm, einem Teil des Unesco-Weltkulturerbes „Klassisches Weimar“, über die Ilm. Das bestechendste Merkmal der etwa 14 m weit spannenden Brücke ist ihr Tragwerk: die jeweils drei Tragketten aus geschmiedeten, etwa 2 m langen Puddelstahl-Augenstäben werden über Sandstein-Pylone geführt und im Baugrund verankert. Der abgehängte Holz-Trägerrost als Gehbahn trug als zeittypisch wenig ausgesteifte, schwingungsanfällig Konstruktion der Brücke ihren Namen „Schaukelbrücke“ ein.

2013 wurde die Brücke durch ein Hochwasser so schwer in Mitleidenschaft gezogen, dass Ersatz oder Ertüchtigung unumgänglich wurden. Die Brücke musste zunächst vollständig abgetragen und Gründungen sowie Kettenwiderlager instandgesetzt werden. Eine Überprüfung ergab, dass die rechnerischen Traglasten der Kettenglieder den Anforderungen aktueller Regelwerke nicht mehr gerecht werden. Zunächst war daher ein Ersatz der historischen Ketten durch neue, äußerlich ähnliche stählerne Augenstäbe vorgesehen.

Im Zusammenspiel von Bauherr – der Klassik Stiftung Weimar – und kreativen Ingenieuren wurde aber ein Weg gewählt, mit dem es gelang, die historische Bausubstanz weitestgehend zu erhalten und gleichzeitig moderne Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Dafür wurden zunächst zerstörungsfreie Prüfverfahren konfiguriert und getestet, bevor letztlich die erforderliche Trag- und Verformungsfähigkeit aller Kettenglieder nachgewiesen werden konnte. Lediglich zur Absturzsicherung mussten zwei zusätzliche horizontale Stahlbänder behutsam in das Tragwerk eingefügt werden.

Für diese großartige Ingenieurleistung erhalten Johann Philipp Jung, Klassikstiftung Weimar, sowie Oliver Hahn vom Weimarer Ingenieurbüro für Bauwerkserhaltung die begehrte Preisskulptur.