Deutscher Brückenbaupreis

2020

Preisverleihung am 09. März 2020 in Dresden
Deutscher Brückenbaupreis 2020

Vorwort der Auslober

Brücken haben im Leben der Menschen eine herausgehobene Bedeutung. Ohne ihre verbindende Wirkung ist eine moderne Gesellschaft undenkbar. Aber Brücken sind nicht nur Teil der lebensnotwendigen Infrastruktur. Viele Menschen haben zu Brücken eine große emotionale Bindung. Das gilt für die kleine Brücke zu Hause genauso wie für bekannte Bauwerke in der ganzen Welt.

Mit dem Deutschen Brückenbaupreis 2020 zeigen die auslobenden Organisationen Bundesingenieurkammer und Verband Beratender Ingenieure VBI bereits zum achten Mal, welche konstruktive Bandbreite und Innovationskraft der Brückenbau in unserem Land hat.

Die für die Preisverleihung 2020 nominierten sechs Brückenbauwerke belegen das erneut auf eindrucksvolle Weise. Besonders erfreulich war, dass in diesem Jahr mit 42 eingereichten Bauwerken die Beteiligung am Wettbewerb um die schönsten und innovativsten Brücken Deutschlands wieder gestiegen ist. Wir begrüßen außerdem, dass auch immer wieder anspruchsvolle Brückensanierungen erfolgreich am Wettbewerb teilnehmen.

Die Preisverleihung des Deutschen Brückenbaupreises 2020, die am 9. März 2020 im Audimax der TU Dresden vor 1.300 Gästen stattfand, hat einmal mehr gezeigt, dass das Interesse am Brückenbau und seiner Weiterentwicklung ungebrochen ist. Angesichts der enormen Aufgaben, vor denen die Ingenieurinnen und Ingenieure in den kommenden Jahren stehen, leistet der Brückenbaupreis mit seiner gelungenen Präsentation der Best-practice Projekte einen wichtigen Beitrag zur baukulturellen Entwicklung im Infrastrukturbereich.

Ohne das Engagement der vielen Unterstützer – seien es Berufskolleginnen und -kollegen oder die Sponsoren und Förderer – wäre es nicht möglich, diesen wichtigen Preis alle zwei Jahre als großes Branchen-Highligt mit entsprechend medialer Resonanz durchzuführen. Dafür sei allen Beteiligten an dieser Stelle ganz herzlich gedankt.

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Preisträger & Kategorien

Die Gewinner 2020

Bauwerksbeschreibung

Die Retheklappbrücke ist eine innovative Konstruktion zur Lösung einer anspruchsvollen Aufgabe: der schiefwinkligen Querung von Straße und Schiene im Hamburger Hafen.

Mit einer modernen, klaren Formensprache begegnet sie der heterogenen Umgebung und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Als eine der größten Klappbrücken europaweit ist sie in ihrer Art und insbesondere aufgrund ihres neuartigen wartungsarmen Schließmechanismus prototypisch und einzigartig.

Darüber hinaus wird sie den Anforderungen an einen nachhaltigen Brückenentwurf gerecht.

Mit einer Länge von mehr als 141 m und einer nutzbaren Breite von 24 m überspannt die als Ersatz der Rethehubbrücke errichtete Klappbrücke den Elbarm Rethe im Hamburger Hafen und stellt eine wichtige Bahn- und Straßenverbindung nach Süden in Richtung Harburg und den anliegenden Hafen- und Gewerbegebieten dar. Durch den Klappmechanismus gibt es keine begrenzte Durchfahrtshöhe, damit gewährleistet das Bauwerk eine hohe Betriebsverfügbarkeit und einen reibungslosen Verkehrsfluss im Hafen.

Um die unabhängige Nutzung von Straße und Schiene zu ermöglichen, haben beide Verkehrsarten getrennte Überbauten. Durch unterschiedliche, an die Nutzung angepasste Querschnitte – für die Straßenbrücke ist dieser geschlossen, für die Eisenbahnbrücke offen – gelingt eine Optimierung des Konstruktionsgewichts.

Die Wirtschaftlichkeit einer beweglichen Brücke wird entscheidend von den Betriebs- und Unterhaltungskosten bestimmt. Zudem stellen die beweglichen Teile die neuralgischen Punkte der Konstruktion dar. Folglich wurde bei der Retheklappbrücke die Anzahl der beweglichen Teile reduziert und auf eine mechanische Verriegelung verzichtet. Dies ist möglich, weil die Hauptträgerspitzen als Finger ausgebildet sind. Durch das gegenseitige Übergreifen der Finger beim Schließvorgang stützen sich die Finger auf einander ab, es können Querkräfte und Momente übertragen werden.

Allerdings setzt dieser Mechanismus eine anspruchsvolle Steuerung voraus: der präzise Gleichlauf der Klappen muss gewährleistet sein, insbesondere auch bei unterschiedlichen Temperaturverformungen und Bauteilsetzungen. Hierfür wurde eine spezielle und komplexe Steuerung entwickelt.

Das Brückenensemble umfasst auch die Vorlandbrücken und die südlich anschließende Straßenbrücke. Mit einer Gesamtlänge von ca. 450 m kommt der Gestaltung eine besondere Bedeutung zu: mit reduzierten Farben, ruhigen Oberflächen und Sorgfalt bis ins Detail wird die Brücke auch diesem Anspruch gerecht. Trotz ihrer Masse erscheint die Klappbrücke aus Stahl grazil.

Ein Meisterwerk in Sachen Proportion und Präzision.
Die Jury
Begründung der Jury

Die Retheklappbrücke ist mit ihrem neuartigen Schließmechanismus für die beiden Brücken – flügel europaweit einzigartig. Die dafür entwickelten Lösungen mit selbstzentrierenden Platten bzw. Fingern sind Neuerfindungen, die Zustimmungen im Einzelfall benötigten. Trotz dieser ingenieurtechnischen Komplexität wirkt die Rethebrücke harmonisch, beide Brückenteile – für Bahn- bzw. Straßenverkehr nimmt der Betrachter als einheitliches schönes Bauwerk wahr. Die Sorgfalt der Ausführung bis ins Detail ist bestechend.

Bauwerksbeschreibung

Das Überführungsbauwerk im Zuge der A 3 bei Schwaig wird im Rahmen des Deutschen Brückenbaupreises 2020 ausgezeichnet, weil es mit seiner Leichtigkeit und Eleganz ein schönes Beispiel modernen Brückenbaus ist.

Das Bauwerk überspannt die sechsstreifige Autobahn A 3 als schlankes, elegantes Rahmenbauwerk. Der Stahlverbundüberbau aus einem Hauptträger mit bogenförmiger Unterkante und geknicktem Untergurt besticht durch Einfachheit und Eleganz. Aufgrund seiner wartungsarmen integralen Bauweise und der Ausbildung des Hauptträgers als dichtgeschweißter Hohlkasten ist das Bauwerk funktional und nachhaltig.

Die Brücke überführt einen Privatweg am Ortsrand der Gemeinde Schwaig bei Nürnberg über die A 3 und verbindet diesen mit dem südlich der Autobahn gelegenen Laufamholzer Forst.

Das Bauwerk wurde als Pilotprojekt zur Umsetzung des Gestaltungshandbuches der A 3 – Würzburg bis Erlangen und dem darin beschriebenen „Typ 2“ für Wirtschafts- und Forstwege ausgewählt. Entsprechend der Aufgabe, die sechsstreifige Autobahn stützenfrei zu überspannen, wurde das Überführungsbauwerk gemäß den statischen Anforderungen als filigrane Stahlverbundkonstruktionen vorgeschlagen. Beim Entwurf wurde großer Wert auf Einfachheit, funktionale und tragwerkstechnische Sinnhaftigkeit und damit auf eine nachhaltige Gestaltung gelegt. Durch den sparsamen Einsatz von Ressourcen wird der Entwurf allen Anforderungen des zeitgemäßen Bauens gerecht.

Die Wegeüberführung mit einer Bauwerksbreite von 6 m wurde als einfeldriger Stahlverbundrahmen errichtet. Die geringeren Lasten sowie die kleineren Spannweiten aufgrund rechtwinkeliger Kreuzung ermöglichen die sprengwerkartige Auflösung der Stahlkonstruktion, so dass sich horizontal angeordnete Sichtfenster und schmale Ansichtsflächen ergeben.

Die veränderliche Konstruktionshöhe des Überbaus beträgt 1,50 m im Feld und 3,50 m an den Widerlagern. Mit einer Spannweite von 57,30 m beträgt die Schlankheit in Feldmitte L/38,2. Dadurch ergibt sich ein transparent wirkendes Bauwerk mit äußerst schlanken Traggliedern und großer Transparenz.

Die Stahlverbundträger aus luftdicht verschweißten Stahlhohlkästen mit aufgelegten Halbfertigteilen erhielten eine Ortbetonergänzung zur Herstellung der Fahrbahnplatte. Die Stahlverbundträger wurden in die Rahmenstiele aus Stahlbeton eingespannt. Die nach hinten geneigten Widerlagervorderseiten wirken als optische Vermittler zwischen dem bogenförmig ausgebildeten Überbau und der Böschung.

Schlank, elegant und handwerklich beeindruckend gut gemacht.
Die Jury
Begründung der Jury

Das Überführungsbauwerk ist mit seiner Leichtigkeit und Effizienz ein herausragendes Beispiel modernen Brückenbaus. Aufgrund seiner wartungsarmen integralen Bauweise und der Art der Ausbildung besticht das funktionale wie nachhaltige Bauwerk durch Einfachheit und Eleganz.

Bauwerksbeschreibung

Die Sanierung der Brücke über die Schwarze Elster bei Neudeck wird mit einer Auszeichnung im Rahmen des Deutschen Brückenbaupreises 2020 gewürdigt, weil hier ein beispielgebender Bauwerksumbau gelungen ist, der das ursprüngliche Erscheinungsbild der Bogenbrücke aus Stampfbeton für die Nachwelt erhält.

Flankiert durch Probebelastungen zur Ermittlung der tatsächlich noch vorhandenen Tragfähigkeit und intensive rechnerische Untersuchungen konnte der über 100 Jahre alte Betonbogen erhalten werden und durch den Neuaufbau neuer Stirnwände unter Beachtung des alten Erscheinungsbildes die historisch wertvolle Brücke gerettet werden.

Bestehend aus drei Betonbögen mit Spannweiten von 18 m – 27 m – 18 m und mit einer Gesamtlänge von 70 m überspannt die Brücke die „Schwarze Elster“ in der Nähe des Ortes Neudeck – ca. 25 km östlich von Torgau – und dient der Überführung der Landesstraße 673. Die Breite zwischen den Geländern beträgt 5,70 m, die Gesamtbreite liegt bei 6,40 m. Die Dicke der Betonbögen variiert zwischen 87 und 92 cm, wobei sie 1905 aus dem damals neuen Werkstoff Beton ohne Bewehrung gebaut wurden. Auch die Stirnseiten wurden damals aus Beton errichtet, wobei die Sichtseite durch Anordnung von Fugen gegliedert wurde.

Die Brücke ist für die Menschen der Umgebung von großer historischer und kultureller Bedeutung, nicht zuletzt durch die Rettung des Bauwerks durch einen ortsansässigen Bauern, der die Sprengung der Brücke am Ende des Zweiten Weltkrieges verhinderte. Eine Instandsetzung der über die Jahre sehr baufällig gewordenen, schließlich sogar gesperrten Brücke war damit sowohl aus baukultureller als auch aus gesellschaftlicher Sicht dringend geboten.

Dabei konnten insbesondere die wertvollen Betonbögen erhalten werden, wobei zur Reduktion der Belastung eine Füllung aus Leichtbeton verwendet wurde. Die Seitenwände wurden analog der alten Brücke erneut aus Beton ausgeführt und dabei auch das Erscheinungsbild der gefugten Außenseite, der Nischenausbildung der geschwungenen Gesimsköpfe, der Pfeileraufbauten und der Geländer wieder hergestellt.

Diese gelungene Ertüchtigung baukulturellen Erbes ist nachhaltiges Bauen par excellence.
Die Jury
Begründung der Jury

Die Instandsetzung der Brücke über die Schwarze Elster wurde unter Einsatz experimenteller Tragsicherheitsuntersuchungen bei gleichzeitiger rechnerischer Begleitung in traditioneller Handwerkskunst mit hohem Sachverstand vorbildlich und in hoher Qualität realisiert, so dass eine auch in ästhetischer Hinsicht wertvolle Brücke für die Anforderungen des heutigen Verkehrs, des Denkmal- und des Umweltschutzes erhalten werden konnte.

Bauwerksbeschreibung

Die Aufgabe klingt bekannt: Das Werksgelände der Firma Trumpf im schwäbischen Ditzingen wird durch eine vielbefahrene Straße in zwei Teile zerschnitten. Mit einem Steg sollte die Straße überbrückt und damit eine sichere Fußwegverbindung für Mitarbeiter geschaffen werden. Vor diesem Hintergrund ist ein Bauwerk entstanden, das auf das Wesentliche reduziert ist und dabei gleichzeitig funktional, ästhetisch ansprechend und im besten Sinne ungewöhnlich ist.

Eine Schale, geschweißt aus lediglich 20 mm dicken, räumlich gekrümmten Edelstahlblechen, bildet das Tragwerk und dient gleichzeitig als Lauffläche. Die Schale spannt etwa 20 m in Längsrichtung und ca. 10 m quer zwischen den vier Kämpfergelenken. In Querrichtung wird der Bogenschub durch Stahlbeton-Zerrbalken kurzgeschlossen, in Längsrichtung über Mikropfähle abgeleitet. Zu den hochliegenden Wiederlagern ist die Schale durch Ausleger verlängert und dort verschieblich gelagert.

Durch eine Vielzahl eingeschnittener und gebohrter Öffnungen in der Schale sowie durch die Ausformung der Randverstärkung wird der Kraftfluss in Szene gesetzt und zugleich Transparenz und Leichtigkeit der Struktur unterstrichen. Anzahl und Größe der Öffnungen korrespondieren mit den Beanspruchungen der Schale und illustrieren damit Hauptspannungsrichtungen und Ausnutzungsgrade. Die auf ein Minimum zurück – genommene Ausstattung der Brücke lässt die Tragstruktur für den Betrachter deutlich hervortreten. Für die Herstellung der Schale wurden neben modernsten Verfahren – zum Beispiel die Herstellung der Öffnungen mit Laserschneidanlagen der Firma Trumpf – traditionelle Techniken verwendet, etwa das handwerkliche Verformen – Dengeln – ebener Bleche zu gekrümmten Schalenelementen.

Das Ergebnis, der Trumpf-Steg, demonstriert beispielhaft, wie Gestaltungswille gepaart mit dem gekonnten Umgang mit dem Tragwerk sowie der parallele Einsatz hochmoderner und handwerklicher Herstellmethoden ein unverwechselbares und ganzheitlich gelungenes Bauwerk entstehen lässt.

Einzigartig – eine Edelstahlskulptur wie ein hingeworfenes Netz.
Die Jury
Begründung der Jury

Der Trumpf-Steg Ditzingen erhält den Deutschen Brückenbaupreis 2020, weil diese hochelegante Brücke ihre Faszination einer einzigartigen Konstruktion verdankt, einer nur 20 mm dicken, doppelt gekrümmten Edelstahlschale, die Tragwerk und Überbau zugleich ist. Der virtuose Umgang der Ingenieure mit Tragwirkungen und Fertigungsverfahren ermöglichte ein Bauwerk, das seine Nutzer fasziniert und selbst Fachleute verzaubert.

Der Trumpf-Steg zeigt eindrucksvoll, wie für eine alltägliche Aufgabe durch die konsequente Umsetzung einer außer – gewöhnlichen Tragwerksidee, die Nutzung hochentwickelter Materialien und Technologien und nicht zuletzt durch den gemeinsamen Mut und Gestaltungswillen von Auftraggeber und Ingenieur ein aus der Masse herausstechendes Bauwerk geschaffen werden kann.

Bauwerksbeschreibung

Die zur Remstal-Gartenschau 2019 fertiggestellte hölzerne Fuß- und Radwegbrücke an der Birkelspitze in Weinstadt wird aus gutem Grund im Rahmen des Deutschen Brückenbaupreises 2020 ausgezeichnet. Sie ist gebautes Beispiel dafür, wie sich Ingenieurbaukunst unter Verwendung eines der ältesten Baustoffe der Menschheit gegen viele, zum Teil unbegründete Vorurteile mit Kreativität, konsequent angewandtem Fachwissen und dem Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen, durchsetzen kann. Die Brücke erfüllt hohe ästhetische und ingenieurtechnische Ansprüche und überzeugt mit einer ausgefeilten Planung bis ins kleinste Detail.

Ausgeführt in einer baustoffgerechten Konstruktionsweise entstand die einfeldrige Rahmenbrücke als integrales Bauwerk, in dem Holz- und Betonbauteile entsprechend ihrer Eigenschaften sinnvoll kombiniert werden. Der ca. 30 m lange und bis zu 93 cm hohe Brückenträger aus massiven, blockverleimten Brettschichthölzern wird hierbei monolithisch über eingeklebte Gewindestangen in Stahlbetonwiderlager eingespannt. Die Querschnittsgeometrie folgt in der Längsansicht dem Kraftfluss von den Einspannaufweitungen an den Widerlagern auf ein Minimum an den Momentennullpunkten und einer erneuten Aufweitung in Feldmitte.

Der Massivholzüberbau führt im Zusammenspiel mit den überstehenden Gehwegplatten zu einer Regenabschattung der Längsseiten des Holzüberbaus. Das sorgt für den nötigen konstruktiven Holzschutz. Somit ergibt sich nur auf der Oberseite ein feuchtigkeitsempfindlicher Faseranschnitt, der mit einem symmetrischen Quer- und Längsgefälle sowie einer diffusionsoffenen Folienabdichtung vor stauender Nässe geschützt ist. Bis auf eine Hirnholzversiegelung im Kontaktbereich zum Stahlbetonwiderlager benötigen die Holzoberflächen keine weiteren konservierenden Beschichtungen.

Vorgefertigte Großplatten aus karbonfaserbewehrtem Mörtel, deren Verlegefugen dauerhaft abgedichtet sind, bilden den Gehweg. Mit geringster Betondeckung reichen bereits 7 cm Plattendicke aus, die auftretenden Einwirkungen sicher aufzunehmen.

Eine elegante Brücke, der konstruktive Holzschutz erspart jede Chemie.
Die Jury
Begründung der Jury

Mit ihrer sanft geschwungenen Gestalt passt sich die Brücke hervorragend in die Parklandschaft der Rems ein. Der frei sichtbare und nur konstruktiv geschützte Holzüberbau betont den Anspruch auf nachhaltiges Bauen. Darüber hinaus ist das monolithische Tragwerk nicht nur wirtschaftlich in der Herstellung, sondern ohne Fugen und Lager zudem wartungsarm – kurzum: eine moderne Brücke im Einklang mit dem natürlichen Umfeld.

Bauwerksbeschreibung

Die Instandsetzung der König-Ludwig-Brücke erhält im Rahmen des Deutschen Brückenbaupreis 2020 eine Auszeichnung, weil es dabei gelang, Authentizität und Integrität von Material und Tragstruktur durch minimalen Eingriff und sorgsame Aufarbeitung der historischen Bausubstanz maximal Rechnung zu tragen. Durch die Anwendung moderner Ingenieurmethodik in Versuch und messwertunterstützter Tragwerksmodellierung kommt die Tragkonstruktion mit maßvollen Ergänzungen aus. Hervorhebenswert ist auch die gelungene Wiederherstellung des konstruktiven, seitlichen Holz – schutzes durch aerodynamisch gestaltete, windlastreduzierende Lamellen.

Die König-Ludwig-Brücke wurde nach dem Fachwerksystem des US-amerikanischen Mühlenbauers William Howe in dessen Todesjahr 1852 ursprünglich als Eisenbahnbrücke errichtet. Den Weiten ihres Landes geschuldet, entwickelten amerikanische Ingenieure für ihre Eisenbahnlinien Holzfachwerk – brücken, die dank vorgefertigter Bauteile auch von ungelernten Arbeitskräften realisiert werden konnten. Dazu gehörte das „System Howe“. Mit sich immer wieder entfestigenden Fachwerkknoten kämpfend, spannte Howe diese über schweißeiserne Pfosten vor. Die König-Ludwig-Brücke macht diese Tragkonstruktion Howes bis heute erlebbar und zeugt von Wissenstransfer und Wissbegierde deutscher Ingenieure aus jener Zeit.

In drei Sprüngen 38 m – 55 m – 28 m lässt die König-Ludwig-Brücke heute Rad- und Fußgänger die Iller queren. Eingebettet in das einzigartige Brückenensemble der berühmten Stampfbetonbrücken, den Oberen Illerbrücken (1906), des neu erbauten Rosenausteges und eines denkmal – geschützten Kabelsteges prägt das „Historische Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ eindrucksvoll das Stadtbild von Kempten. Neu geschaffene Bereiche an und um die Brücke bieten einen imposanten Blick auf das historische Tragwerk, das die Kunst des Konstruierens und das Ausformen des Kraftflusses sichtbar macht. Hier gehen Bautechnikgeschichte und moderne Stadtplanung eine geschickte Symbiose ein.

Zur Wahrung von Authentizität und Integrität der hölzernen Howe-Träger trug der innovative Einsatz des Impulstomographieverfahrens wesentlich bei. Damit konnte die Tragfähigkeit der rund 170 Jahre alten Bauteile zerstörungsfrei überprüft werden.

Diese Fachwerkbrücke aus der Pionierzeit des Eisenbahnbaus erzählt Ingenieurbaugeschichte.
Die Jury
Begründung der Jury

Die Instandsetzung der König-Ludwig-Brücke beeindruckt insbesondere deshalb, weil hier durch die Anwendung moderner Ingenieurmethodik in Versuch und messwertunterstützter Tragwerksmodellierung mit minimalen Eingriffen ein Maximum an historischer Bausubstanz erlebbar bleibt.

Leidenschaftlich in der Debatte – fair im Urteil

Die Fachjury 2020

Am 11. März 2019 haben die Bundesingenieurkammer und der Verband Beratender Ingenieure VBI den Deutschen Brückenbaupreis zum achten Mal ausgelobt. Als Wettbewerbsbeiträge waren Brücken zugelassen, deren Fertigstellung, Umbau oder Instandsetzung zwischen dem 1. September 2015 und dem 1. September 2019 abgeschlossen wurden.

Entsprechend den Auslobungsunterlagen konnten Beiträge in zwei Kategorien eingereicht werden: Straßen- und Eisenbahnbrücken sowie Fuß- und Radwegbrücken. Sehr erfreulich war, dass mit 42 Bauwerken wieder viele preisverdächtige Einreichungen vorlagen, die einen spannenden und lebendigen Wettbewerb versprachen. Insgesamt wurden 20 Straßen- bzw. Eisenbahnbrücken und 22 Fuß- und Radwegbrücken eingereicht.

Für alle eingereichten Vorschläge herzlichen Dank.

Der Jury für den Deutschen Brückenbaupreis 2020 gehörten an:
© BMV
MR Prof. Dr.-Ing. Gero Marzahn
Abt. Bundesfernstraßen, Ref. StB 24 Ingenieurbauwerke, Bundesministerium für Verkehr
Prof. Dr.-Ing. Annette Bögle
HCU HafenCity Universität Hamburg
Prof. Dr.-Ing. Manfred Curbach
Lehrstuhl für Massivbau an der TU Dresden und Leiter des Dresdner Brückenbausymposiums
Eberhard Pelke
ehem. Dezernat Ingenieurbauwerke, Hessen Mobil - Straßen- und Verkehrsmanagement
Ralf Schubart
Ingenieurbüro Meyer + Schubart
© Anja Vehlow
Anja Vehlow
DB InfraGO
Dr.-Ing. Gerhard Zehetmaier
WTM Engineers GmbH

Fotos der Preisverleihung

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