2018

Vorwort der Auslober
Brücken vernetzen Menschen, Orte und Märkte. Sie sind Ausdruck der Kreativität und Innovationskraft aller am Brückenbau Beteiligten. Neubauten und Rekonstruktionen von Brücken haben für viele Menschen über den reinen Gebrauchswert hinaus auch eine tiefere, symbolische Bedeutung.
Am 12. März 2018 wurde der Deutsche Brückenbaupreis bereits zum siebenten Mal in den beiden Preiskategorien „Straßen- und Eisenbahnbrücken“ sowie „Fuß- und Radwegbrücken“ vergeben. Weitere Sonderpreise oder andere Auszeichnungen, wie sie bei anderen Preisen üblich sind, werden bewusst nicht vergeben. Das macht den Deutschen Brückenbaupreis besonders und verleiht ihm einen eigenen ideellen Wert.
In diesem Jahr gab es aber auch zwei Neuerungen. Zum einen haben wir uns entschlossen, das Profil des Preises als Bauingenieurpreis zu schärfen. Deshalb wurde festgelegt, dass die Preisskulptur an Bauingenieure vergeben wird, deren geistig-schöpferische Leistungen maßgeblich zum Entstehen des vorgeschlagenen Brückenbauwerks beigetragen haben. Damit wird die Vielzahl vorhandener Architektenpreise sinnvoll ergänzt und unserem Anliegen, Bauingenieure als Gestalter und Entwerfer weithin bekannt zu machen, noch deutlicher Rechnung getragen.
Die zweite Neuerung betrifft die hier vorliegende Dokumentation. Erstmals wurde sie in neuem, großzügigerem Layout direkt am Abend der Preisverleihung vorgelegt. Wir sind sicher, dass damit ihr Wert, Schaufenster des Brückenbaus unseres Landes zu sein, gesteigert wird.
Wir gratulieren den Preisträgern, Nominierten und allen, die sich am diesjährigen Wettbewerb beteiligt haben, zu ihren herausragenden Arbeiten. Und wir danken dem Schirmherren, dem Hauptsponsor und allen übrigen Partnern ganz herzlich für die großartige Unterstützung des Deutschen Brückenbaupreises 2018.
Bewerben Sie sich jetzt!
Die Gewinner 2018

Bauwerksbeschreibung
Die Bleichinselbrücke erfüllt die Anforderungen an einen nachhaltigen Bauwerksentwurf in idealer Weise. Sie passt sich sensibel in ihr städtisches Umfeld ein und weist in ihrer modernen Formensprache dennoch einen hohen Wiedererkennungswert auf.
Gleichzeitig konnte sie trotz schwieriger baulicher Randbedingungen sehr kostengünstig hergestellt werden und lässt durch ihre robuste Bauweise als integrales Bauwerk geringe Unterhaltungskosten und eine hohe Lebensdauer erwarten.
Mit 88 m Länge und 24 m Breite überspannt die stark befahrene vierspurige Brücke den Alt-Neckar in Heilbronn und verbindet das Stadtzentrum mit einem im Zuge der Bundesgartenschau 2019 neu entstehenden Wohngebiet. Die mit dieser Stadtentwicklung neu angelegten Aufenthaltsbereiche und Promenaden entlang der Uferzone wurden zu einer wichtigen Randbedingung für die neue Brücke. Die besondere Lage des Bauwerks in einer flachen Flussaue und die Nähe zu benachbarten Brücken sprachen für den Entwurf einer Deckbrücke, die sich harmonisch und zurückhaltend in ihre Umgebung einfügen und dennoch eine hohe Aufenthaltsqualität sowohl auf als auch unterhalb der Brücke bieten sollte.
Gelungen ist dies mit einem Verbundtragwerk mit sehr flach geneigten V-förmigen Stützen, welche in den Uferbereichen gegründet sind und somit keine störenden Pfeilerkonstruktionen im Flusslauf benötigen. Durch die unterschiedlichen Neigungen der fluss- und landseitigen Stützstreben wurde ein gleichmäßiges, kurzes Stützraster für den Überbau erreicht. Der Überbau konnte dadurch sehr schlank ausgeführt und der Fluss in einem Zug überspannt werden. Die weit in die Böschung zurückgesetzten Widerlager eröffnen einen entspannten Lichtraum unterhalb der Brücke und bieten großzügige Freiheit für die Gestaltung der Geh- und Radwege.
Die vier schrägen Stützstreben auf jeder Uferseite sind auf jeweils nur einen Auflagerpunkt geführt, was statisch günstig die horizontalen Auflagerkräfte kurzschließt und insgesamt zu reduzierten Gründungsaufwendungen führte. Zum anderen erzeugt diese Konstruktion einen offenen und transparenten Eindruck unterhalb der Brücke. Trotz des flachen Flussprofils und der enormen Breite des Überbaus wirkt die Brücke leicht und fast schwebend. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die hohe Oberflächenqualität des stählernen Haupttragwerks und der Betonfertigteile, die auch im Nahbereich eine angenehme Wirkung haben.
Die besondere Konstruktion und die Verwendung von Fertigteilen gestattete auch ein sehr günstiges Montagekonzept, das den Bau der Brücke in nur 15 Monaten unter minimalen Einschränkungen der Schiffbarkeit ermöglichte und zu geringen Baukosten führte.
Die Jury
Begründung der Jury
Die Bleichinselbrücke gewinnt den deutschen Brückenbaupreis, weil sie ein hervorragendes Beispiel dafür ist, dass sich gute Gestaltung durch sorgfältiges Entwerfen und Konstruieren sehr wirtschaftlich umsetzen lässt. Bei äußerst geringer lichter Höhe ist das flache, breite Fahrbahndeck scheinbar schwebend über dem Neckar platziert. Das Bauwerk wurde konsequent aus dem Ort heraus entwickelt. Die unterschiedlich geneigten, auf jeweils einen Punkt fokussierten Stützen schaffen unter der Brücke einen erlebbaren Raum in höchster Qualität.

Bauwerksbeschreibung
Der Ende 2016 fertiggestellte Ersatzneubau der Lahntalbrücke im Zuge der A 3 bei Limburg entstand nach einem Sondervorschlag der ausführenden Baufirma, der zwar teilweise auf dem Siegerentwurf eines Planungswettbewerbs fußt, jedoch nicht auf dem ausgeschriebenen Amtsentwurf. Die 450 m lange und über 60 m hohe Brücke mit sieben Feldern und Einzelstützweiten zwischen 45 bis 90 m bietet ein Höchstmaß an Transparenz. Jede Fahrtrichtung wird durch einen eigenen Überbau getragen, der aus zwei getrennten, relativ flachen und gevouteten sowie längs vorgespannten Hohlkästen besteht. Mit einer Konstruktionshöhe von 5,5 m über den Pfeilern und 2,5 m in den Brückenfeldern wird ein ausgewogener Lastfluss im Tragwerk mit einer stützenfreien Überbrückung der Lahn im Hauptfeld erreicht.
Paarweise in jeder Brückenquerachse angeordnete schlanke, aufwärtsstrebende Stahlbetonrundstützen mit einem Durchmesser von 2,8 m tragen jeweils einen Überbau und verleihen der Brücke trotz ihrer großen Breite für acht Fahrstreifen plus beidseitigem Standstreifen eine ausgesprochene Leichtigkeit. Die Stützenpaare in den vier mittleren Querachsen wurden monolithisch mit dem Überbau verbunden und beteiligen sich als Pfeilergruppe unterhaltungsarm an der Tragwerksaussteifung. Die Berechnung erfolgte am Gesamtsystem und hinsichtlich der Einbindepunkte zwischen Pfeiler und Überbau zusätzlich detailliert an räumlichen Modellen.
Die Herstellung der Brücke erfolgte im klassischen Freivorbau in ca. 5 m langen Abschnitten. Zur Stabilisierung waren direkt neben den Stützen zum Hauptfeld Hilfspfeiler angeordnet, welche auf hydraulisch verschiebbaren Fundamentblöcken standen, die nach Fertigstellung des ersten Überbaus für die Verwendung beim zweiten Überbau seitlich verschoben wurden.
In gestalterischer Hinsicht knüpft die schlanke Konstruktion sowohl bei der Bauform als auch beim Herstellverfahren an große Traditionen im Betonbrückenbau an und entwickelt diese technologisch weiter. Mit ihrer unverwechselbaren Gestalt steht sie dabei im architektonischen Spannungsfeld zwischen dem weithin sichtbaren Limburger Dom auf der einen Brückenseite und einer markanten Bogenbrücke der Bahn auf der gegenüberliegenden Brückenseite. Dennoch gelingt es ihr, sich in ruhiger Eleganz zu behaupten und eine eigene Formensprache zu entfalten, mit der sie sich dezent in die Umgebung einpasst.
Die Jury
Begründung der Jury
Die neue Lahntalbrücke wird für den deutschen Brückenbaupreis nominiert, weil der im klassischen Freivorbau hergestellte Ersatzneubau ein gelungenes Beispiel dafür ist, wie traditionelle Ingenieurbaukunst gepaart mit neuen Ideen ästhetische Qualität mit kostengünstiger Herstellung verbinden kann.

Bauwerksbeschreibung
Die Brücke Greißelbach wurde für den Deutschen Brückenbaupreis 2018 nominiert, weil sie die Innovationskraft der Branche im Infrastrukturbau eindrucksvoll demonstriert und zugleich Lösungen für den effizienten Ersatz einer alternden Verkehrsinfrastruktur aufzeigt. Hoher Vorfertigungsgrad, modulare Bauweise und die einfache Austauschbarkeit der Fahrbahnplatte wurden hier konsequent weitergedacht und zu einem Konzept ausgearbeitet, das schnelle Montage bei minimaler Verkehrsbeeinträchtigung mit hoher Ausführungsqualität vereint. Die Entwicklung des innovativen Konzeptes sowie dessen mit großer Ausdauer verfolgte Umsetzung in einem Pilotprojekt bewertet die Jury als herausragende Ingenieurleistung.
Ausgangspunkt für das Pilotprojekt war eine alltägliche Aufgabe: der höhenfreie Ausbau einer unfallträchtigen Kreuzung. Das neue Bauwerk überführt eine Staatsstraße über die stark befahrene B299 nahe der Ortschaft Greißelbach und in unmittelbarer Nähe des Firmensitzes von Max Bögl.
Durch den umfassenden Einsatz vorgefertigter, modularer Bauelemente konnte die Herstellung des Überbaus in kurzer Zeit, mit minimaler Verkehrsbeeinträchtigung und in hoher Qualität realisiert werden. Im Bereich der unterführten B299 besteht der Überbau vollständig aus vorgefertigten Bauteilen.
Zentrales Merkmal der Brücke ist die aus vorgespannten Segment-Platten zusammengesetzte Fahrbahnplatte. Damit einher geht die konsequente Trennung von Längs- und Quertragwirkung. Das Haupttragsystem wird durch zwei VFT-Träger in Form luftdicht verschweißter Stahlhohlkästen mit aufbetonierter Stahlbetondruckplatte gebildet, die in die Ortbeton-Widerlager eingespannt sind und einen Rahmen mit einer lichten Weite von 32 m ergeben. Die Fahrbahnplatte besteht aus einzelnen Platten-Segmenten – quer vorgespannte Fertigteile aus selbstverdichtendem Beton der Festigkeitsklasse C 50/60, die auf die Längsträger lediglich aufgelegt, mit Hilfe verbundloser interner Spannglieder längs zusammengespannt und in einem Widerlager verankert werden. Die Fahrbahnplatte kommt ohne weitere Ergänzungen aus: Die Kappen sind in den Fertigteilen monolithisch ausgeformt, auf eine zusätzliche Abdichtung und einen Asphaltbelag kann dank der hohen Qualität und Dichtigkeit der Betonoberfläche verzichtet werden. Dass die Fugen zwischen den Platten-Segmenten dicht sind, gewährleisten aus dem Tübbingtunnelbau bekannte Dichtprofile, die durch die Längsvorspannung überdrückt werden. Bei Bedarf kann die komplette Fahrbahnplatte in kurzer Zeit mit überschaubarem Aufwand ausgetauscht werden; Querschnittsänderungen wie z. B. zusätzliche Fahrspuren sind damit – sofern das Längstragsystem dafür ausgelegt wurde – sehr einfach zu realisieren.
Die Jury
Begründung der Jury
An dem Bauwerk wird in kleinem Maßstab demonstriert, wie durch modulares Bauen mit Fertigteilen im Brückenbau robuste Konstruktionen in sehr kurzer Zeit und zugleich wirtschaftlich realisiert werden können. Damit kann das Pilotprojekt wegweisend für zukünftige Entwicklungen sein.

Bauwerksbeschreibung
Die Instandsetzung der historischen Schaukelbrücke im Park an der Ilm in Weimar ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie historische Tragwerke für die Zukunft gesichert und in weitestgehend unveränderter Gestalt auch für eine Nutzung nach heutigen Maßstäben Verwendung finden können.
Die 1833 errichtete Kettenbrücke führt im südlichen Teil des Parks an der Ilm, einem Teil des Unesco-Weltkulturerbes „Klassisches Weimar“, über die Ilm. Die etwa 14 m weit spannende Fußgängerbrücke gehört damit zu den ältesten noch erhaltenen Hängebrücken Deutschlands. Das bestechende Merkmal der Brücke ist ihr Tragwerk: die jeweils drei Tragketten aus geschmiedeten, etwa 2 m langen Puddelstahl-Augenstäben werden über Sandstein-Pylone geführt und im Baugrund verankert. Der abgehängte Holz-Trägerrost als Gehbahn ist als zeittypisch wenig ausgesteifte Konstruktion sehr schwingungsanfällig und trug der Brücke ihren heute noch gebräuchlichen Namen „Schaukelbrücke“ ein.
Die Brücke wurde 2013 durch ein Hochwasser so schwer in Mitleidenschaft gezogen, dass Ersatz oder Ertüchtigung unumgänglich wurden. Die Brücke musste zunächst vollständig abgetragen und Gründungen sowie Kettenwiderlager instandgesetzt werden. Am historischen Tragwerk – den Ketten und Hängern – zeigte sich dann die große Herausforderung: Eine Überprüfung hatte schnell ergeben, dass die rechnerischen Traglasten der Kettenglieder den Anforderungen aktueller Regelwerke nicht mehr gerecht werden. Zunächst war daher ein Ersatz der historischen Ketten durch neue, äußerlich ähnliche stählerne Augenstäbe vorgesehen.
Im Zusammenspiel von Bauherr – der Klassik Stiftung Weimar – und kreativen Ingenieuren wurde letztlich aber ein Weg gewählt, der gleichermaßen vom respektvollen Umgang mit der historischen Bausubstanz und von hoher Ingenieurkunst zeugt. Erklärtes Ziel war es, die historische Bausubstanz weitestgehend zu erhalten und gleichzeitig moderne Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Mit Hilfe eines gestuften Vorgehens, bei dem zunächst zerstörungsfreie Prüfverfahren konfiguriert und getestet wurden, konnte letztlich die erforderliche Trag- und Verformungsfähigkeit aller Kettenglieder versuchsgestützt nachgewiesen werden. Weiterer Ausdruck eines verantwortungsvollen Umgangs mit historischer Substanz sind die zwei behutsam in das Tragwerk eingefügten zusätzlichen horizontalen Stahlbänder zur Absturzsicherung – das historische Geländer genügte heutigen Maßstäben natürlich nicht mehr. Mit Hilfe einer individuellen Gefährdungsbeurteilung konnten Ergänzungen auf das notwendige Minimum beschränkt werden.
Das Ergebnis der Instandsetzung ist nun keine neue Brücke im alten Gewand, sondern das weitgehend erhaltene und für die Zukunft gesicherte historische Original.
Die Jury
Begründung der Jury
Die Erhaltung der Schaukelbrücke im Park an der Ilm in Weimar wird mit dem Deutschen Brückenbaupreis 2018 ausgezeichnet, weil die Ingenieure gemeinsam mit dem Bauherrn auf beispielgebende Weise ihrer Verantwortung für das baukulturelle Erbe gerecht wurden. Dafür haben sie einen mutigen Weg außerhalb standardisierter Pfade von der Entscheidung bis zur Umsetzung beschritten. Indem sie das historische Tragwerk in seine Elemente zerlegt, diese analysiert und experimentell begutachtet haben, gelang es ihnen, das historische Original voll funktionsfähig und schaukelnd erlebbar zu erhalten.

Bauwerksbeschreibung
Der Isarsteg verbindet die sich rasch entwickelnden Stadtteile rechts der Isar mit der Innenstadt Freisings. Unter Rücksichtnahme auf den schützenswerten Landschafts- und Baumbestand werden drei Geh- und Radwege mit einem schlanken Rahmen über den Fluss in den sich auf beiden Seiten erstreckenden Auenwald geführt. Rampen und Treppenanlagen verzweigen sich in Analogie zu einem hingeworfenen Ast. Durch die Patina des wetterfesten Stahls wird die Wahrnehmung der Brücke als Landschaftsskulptur zusätzlich unterstrichen.
Das integrale Rahmentragwerk besteht aus einem im Querschnitt veränderlichen keilförmigen Stahlhohlkasten mit einer Stahlbetonverbundplatte. Treppenabgänge und Rampen bilden die äußeren Rahmenstiele des fünffeldrigen Tragwerks, das mittlere Feld über der Isar wird durch zwei zusätzliche Stützen getragen. Stützen, Treppenabgänge und Rampen bestehen wie der Riegel aus luftdicht verschweißten Stahlhohlkästen.
Bis auf eine flach gegründete Rampe sind die übrigen Stützen auf Kleinbohrverpresspfählen tief gegründet. Schwingungsmessungen am fertiggestellten Tragwerk führten zum Einbau des in der Planung bereits berücksichtigten Schwingungsdämpfers zur Verbesserung des Nutzerkomforts.
Klare Linien und präzise Verschneidungen der Hohlkästen und die Beschränkung auf zwei Materialien unterstreichen die überzeugende Formensprache des Entwurfs. Mit dem Verzicht auf Lager und eine Beschichtung des Stahltragwerks entstand so im Einklang mit dem Landschaftsbild ein wirtschaftliches und nachhaltiges Brückenbauwerk von hoher gestalterischer Qualität.
Die Jury
Begründung der Jury
Der Isarsteg Nord in Freising wird für den Deutschen Brückenbaupreis nominiert, weil er sich mit seiner skulpturalen Gestalt in Verbindung mit einer hohen Schlankheit und der Patina des für das integrale Rahmentragwerk verwendeten wetterfesten Stahls organisch in die Auenlandschaft der Isar einfügt.

Bauwerksbeschreibung
Die Hennebergbrücke ist eine integrale, fugenlose Brücke, die durch ihre Leichtigkeit, zurückhaltende Gestaltung und konstruktive Konsequenz überzeugt. Die Fuß- und Radwegbrücke überspannt den Okerumflutgraben im Bürgerpark Braunschweig, entsprechend der Planvorgabe ohne einen Pfeiler im Flussquerschnitt und ohne Einschränkung des Lichtraumprofils. Gleichzeitig galt es, die Steigung so gering wie möglich zu halten.
Realisiert wurde eine schlanke, einfeldrige Balkenbrücke mit beidseitiger Einspannung in die Widerlager als integrales Bauwerk. Das dynamische Erscheinungsbild entsteht durch eine dem Kräfteverlauf folgende Gestaltung: die Brücke verschlankt sich von den Widerlagern zur Feldmitte hin. Zudem erhält die Brücke eine räumliche Wirkung durch den sich über die Brückenlänge verändernden trapezförmigen Querschnitt. Dazu sind die unterschiedlich gekrümmten Ober- und Untergurte mit Seitenblechen verbunden, deren Neigung zum Wiederlager hin abnimmt.
Markant sind die segelförmigen Geländerpfosten, zwischen denen horizontal gespannte Seile das Geländer bilden. Da die Seilebene der Außenkante den nach unten breiter werdenden Pfosten folgt, neigt sich das Geländer nach innen und ein Überklettern des Geländers wird verhindert.
Als integrale Konstruktion ist der stählerne Überbau biegesteif an die Widerlager angeschlossen. Dies ermöglicht den Verzicht auf wartungsintensive Lager und Fugen und ermöglicht die gewünschte schlanke und zurückhaltende Gestaltung. Konsequent wurde dieser Anspruch vom statischen Gesamtmodell unter Berücksichtigung der Bauwerk-BaugrundInteraktion über die integrale Ausbildung bis hin zur Minimierung der Einzelbauteile beim Geländer verfolgt. Die Brücke verbindet Gestaltung mit Konstruktion und gehorcht gleichzeitig den Paradigmen der Wirtschaftlichkeit und Dauerhaftigkeit.
Die Jury
Begründung der Jury
Die Hennebergbrücke hat die Jury durch ihre Leichtigkeit, zurückhaltende Gestaltung und konstruktive Konsequenz überzeugt. Die schlanke Stahlbalkenbrücke ist bis ins Detail sorgfältig gearbeitet und ihrem Umfeld angepasst. Die Fugen- und lagerlose Konstruktion macht das Bauwerk langlebig und wartungsarm.
Die Fachjury 2018
Von der Arbeit der Jury
Im März 2017 haben der VBI und die Bundesingenieurkammer den Deutschen Brückenbaupreis zum siebten Mal ausgelobt. Zum Wettbewerb zugelassen waren diesmal Brücken, die zwischen dem 1. September 2014 und dem 1. September 2017 fertiggestellt wurden.
Es gab, wie in den vorangegangenen Jahren auch, zwei Kategorien: Straßen- und Eisenbahnbrücken einerseits sowie Fuß- und Radwegbrücken andererseits. Insgesamt wurden 29 Bauwerke vorgeschlagen und zwar 15 in der Kategorie Straßen- und Eisenbahnbrücken und 14 in der Kategorie Fuß- und Radwegbrücken.
Für alle eingereichten Vorschläge herzlichen Dank.



































